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09.05.2008 - Falk wegen versuchten Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt

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Hamburg (AFP) - Das Hamburger Landgericht hat den Stadtplan-Erben und früheren Internetunternehmer Alexander Falk wegen versuchten Betrugs und Beihilfe zur Bilanzfälschung zu vier Jahren Haft verurteilt. Nach fast dreieinhalbjährigem Prozess sah die Große Strafkammer es am Freitag als erwiesen an, dass der 38-Jährige zur Blütezeit des Neuen Marktes den Wert des Unternehmens Ision vor dem Verkauf durch Scheingeschäfte geschönt hatte. Die vier Mitangeklagten, die im Jahr 2000 bei "den Umsatzmanipulationen und dem betrügerischen Verkauf" an den britischen Konzern Energis geholfen haben sollen, erhielten überwiegend Bewährungsstrafen. Einer muss dem Urteil zufolge jedoch als Mittäter ebenfalls in Haft - für zweieinhalb Jahre.

Mit dem Strafmaß blieb das Gericht hinter der Forderung der Anklage zurück: Sie war bis zuletzt von vollendetem Betrug ausgegangen und hatte für Falk fünf Jahre und neun Monate Haft verlangt. Die Richter erkannten jedoch nur auf versuchten Betrug, da es nicht gelungen sei, den entstandenen Schaden konkret zu beziffern. "Zweifelsfrei" stehe jedoch fest, dass bei Ision zum dritten Quartal 2000 Luftbuchungen in Höhe von 6,3 Millionen Euro vorgenommen und "nachträglich durch fingierte Geschäfte plausibilisiert" worden seien. Durch die "Vorspiegelung einer falschen Umsatz- und Geschäftslage" sei auch die Kaufentscheidung von Energis "maßgeblich beeinflusst" worden. Dies wies der einstige Börsenstar Falk stets zurück, die Verteidigung plädierte auf Freispruch.

Der nach Gerichtsangaben "äußerst komplexe" Mammutprozess hatte bereits am 3. Dezember 2004 begonnen. Schon vor Beginn füllten die Prozessunterlagen mehr als 700 Aktenordner, allein die Anklageschrift umfasste knapp 300 Seiten. Mehr als 3000 Dokumente wurden als Beweismittel in das Verfahren eingeführt. Bevor die Richter nun am 157. Verhandlungstag ihr Urteil fällten, hörten sie zudem 75 Zeugen aus dem In- und Ausland sowie zwei Sachverständige zu dem Fall an.

Falk war um die Jahrtausendwende eine der schillernden Figuren der New Economy. Der gelernte Diplomkaufmann, der im Alter von 26 Jahren den Stadtplanverlag seines Vaters verkauft hatte, übernahm 1999 für 38 Millionen Euro die Thyssen-Krupp-Tochter Ision. In der Endphase der Euphorie am Neuen Markt im März 2000 brachte er die Internetfirma an die Börse, was 230 Millionen Euro in die Kasse spülte. Der größte Coup war dann der Verkauf von Ision an Energis Ende 2000 zum nach Überzeugung des Landgerichts "überzogenen Preis" von 812 Millionen Euro. Als Multimillionär rangierte Falk zeitweise auf Platz 83 der Liste der reichsten Deutschen.

Die Strafanzeige eines früheren Geschäftspartners löste schließlich die Ermittlungen aus und sorgte für Falks zeitweisen Umzug ins Gefängnis. Fast 22 Monate verbrachte Falk bis zu seiner Entlassung im April 2005 in Untersuchungshaft und hätte damit schon fast die Hälfte seiner Strafe abgesessen. Die Verteidigung hat allerdings bereits angekündigt, gegen das Urteil Revision zum Bundesgerichtshof einzulegen.

Falks Anwalt Thomas Bliwier sagte dazu am Freitag nach dem Ende der gut sechsstündigen Urteilsbegründung, vier Jahre Haft für seinen Mandanten seien "ein absurdes Strafmaß". Selbst wenn man von einem korrekten Schuldspruch ausgehe - was er nicht tue - sei dies "in keiner Weise mehr zu rechtfertigen". Immerhin sei aber "von den ursprünglichen Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, Kursbetrug in dreistelliger Millionenhöhe, nichts mehr übrig". Insofern sei das Urteil "jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung".

(09.05.2008 / Quelle: © 2008 AFP)