News-Archiv
04.05.2008 - Microsoft macht Yahoo-Übernahmepoker ein Ende
Trotz des Angebets, die ursprüngliche Offerte um rund fünf Milliarden Dollar (rund 3,3 Milliarden Euro) zu erhöhen, habe Yahoo sich nicht bewegt, schrieb Ballmer weiter. Bei Verhandlungen in der vergangenen Woche habe Microsoft mit der Bereitschaft, statt 31 nun 33 Dollar pro Aktie zu zahlen, erneut seinen "Glauben an die gemeinsame Möglichkeit" gezeigt. Yahoo habe jedoch weitere fünf Milliarden Dollar - "mindestens aber" 37 Dollar pro Aktie - gefordert. Zu Beginn des Übernahmekampfs am 1. Februar hatte Microsoft rund 44,6 Milliarden Dollar für Yahoo geboten.
Auf eine feindliche Übernahme - den Kauf von Yahoo-Aktien, bis Microsoft die Mehrheit besitzt - verzichtete Ballmer ausdrücklich: "Mir ist bewusst, dass es für Microsoft wenig sinnvoll ist, mit unserem Angebot direkt an die Aktionäre heranzutreten". "Yahoo hätte unsere Strategie beschleunigt, aber wir können trotzdem vorankommen", schrieb Ballmer. Dazu seien "strategische Kooperationen mit anderen Partnern" geplant, ergänzte er. Microsoft wollte mit der Yahoo-Übernahme seine Position im einträglichen Online-Werbemarkt verbessern und Branchenprimus Google den Rang streitig machen.
In einer ersten Reaktion spielte Yahoo-Chef Yang die Bedeutung der Microsoft-Entscheidung herunter. Das "ungebetene Angebot" des Software-Giganten habe Yahoo von seinen eigentlichen Zielen "abgelenkt": "Nun werden wir wieder in der Lage sein, unsere Energien auf den wichtigsten Umbau in unserer Geschichte zu konzentrieren, um unser Potenzial zugunsten unserer Aktionäre, Mitarbeiter, Partner und Kunden zu maximieren", erklärte der Yahoo-Mitbegründer auf der Homepage des Internetportals. Er betonte, Microsofts Angebot habe Yahoos "einzigartige und wertvolle strategische Position" unterstrichen.
Analysten begrüßten den Microsoft-Rückzieher: "Das war eine kluge Entscheidung von Microsoft", sagte IT-Analyst Rob Enderle: "Yahoos Aktienkurs wird am Montag in den Keller fallen". Nach seiner Einschätzung hatten die Aktien des seit einiger Zeit schwächelnden Web-Portals in den vergangenen Wochen von den Microsoft-Offerten profitiert. Yahoos Gewinne gingen im vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf 660 Millionen Dollar zurück, Microsoft verdiente unterdessen 14,07 Milliarden Dollar.
Enderles Kollege Van Baker glaubt ebenfalls an einen Kurssturz für Yahoo: Microsoft könne jetzt ruhig abwarten, während der Wert der Aktie verfalle und die Yahoo-Spitze den Zorn der Anteilseigner auf sich ziehe. Dann könne Microsoft sein Übernahmeangebot erneuern - möglicherweise zu einem niedrigeren Preis.
Die Umsätze des Online-Werbegeschäfts liegen derzeit bei 40 Milliarden Dollar und dürften sich bis 2010 auf 80 Milliarden Dollar verdoppelt haben. Google wird dieses Jahr nach Schätzung der Marktforscher von eMarketer mehr als 30 Prozent kassieren, Yahoo 14 Prozent und Microsoft knapp sieben. Internetwerbung wird für Microsoft immer wichtiger, da kostenlose werbefinanzierte Internetsoftware den Programmen des Konzerns zunehmend Konkurrenz macht.
Gewinner der Übernahmeschlacht ist laut Analysten derzeit Google. Enderle zufolge hätte der Konzern einer Übernahme nicht tatenlos zugesehen. Auf jeden Fall hätte er Microsoft das Leben mit immer neuen Kartellklagen schwer gemacht, sagte Enderle.
(04.05.2008 / Quelle: © 2008 AFP)



