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20.04.2008 - Korruptionsfall Siemens weitet sich immer mehr aus

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Siemens-Schriftzug
München (AFP) - Der Korruptionsfall Siemens nimmt immer größere Ausmaße an: Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft mittlerweile gegen 270 Beschuldigte. Die Strafverfolger, die mit ihren Ermittlungen im Unternehmensbereich Telekommunikation (Com) begonnen hatten, durchleuchten demnach nun auch die Sparten Verkehrstechnik, Kraftwerksbau und Energieübertragung. Der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer wies Vorwürfe gegen ihn im Schmiergeldskandal zurück. Nach einem "Spiegel"-Bericht ist auch der Greifswalder CDU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Adam in den Skandal verwickelt.

In der "SZ" hieß es, unter den Beschuldigten seien auch ausländische Geschäftsleute, die geholfen haben sollen, in der Schweiz, Dubai und anderen Staaten schwarze Kassen anzulegen. Beim weitaus überwiegenden Teil der Beschuldigten handele es sich aber um heutige oder frühere Siemens-Angestellte. Mehrere Angestellte des Konzerns aus der mittleren Ebene haben gegenüber der Staatsanwaltschaft ausgesagt, sie hätten bei fragwürdigen Geschäften mitmachen müssen. Das sei von den Vorgesetzten so erwartet worden. Andere Beschuldigte sagten demnach, sie hätten im Rahmen einer "langjährigen Tradition" an solchen Vorgängen mitgewirkt.

Von Pierer wies in der "Welt am Sonntag" angebliche Zeugenaussagen zurück, er habe Mitarbeiter angewiesen, fragwürdige Provisionszahlungen für einen Großauftrag in Argentinien vorzunehmen. Als der betroffene Manager und ein Kollege Skrupel geäußert hätten, soll von Pierer gesagt haben, die beiden sollten sich wie "Soldaten von Siemens" verhalten. "Diese Vorwürfe sind falsch", sagte dazu der frühere Konzernchef. Auch den Ausdruck "Soldaten von Siemens" habe er nie benutzt.

Im "Spiegel" hieß es unter Berufung auf den zentralen Ermittlungsbericht der Nürnberger Sonderkommission "Amigo", der CDU-Abgeordnete Adam habe Wahlkampfspenden entgegengenommen, ohne sie offiziell auszuweisen. Demnach soll Adam die Gelder verdeckt vom früheren Chef der von Siemens offenbar mitfinanzierten Gewerkschaft AUB, Wilhelm Schelsky, erhalten haben. Adam gilt als Vertrauter von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Aus E-Mails Schelskys ergibt sich dem "Spiegel"-Bericht zufolge zudem, dass der Ex-Gewerkschaftschef der Konzernspitze offenbar prominente Berater zuführte. So habe IOC-Vizepräsident Thomas Bach einen bis heute laufenden Beratervertrag erhalten. Bach sagte laut "Spiegel", er habe "strikt zwischen meinen geschäftlichen Tätigkeiten und meinen ehrenamtlichen Funktionen im Sport" unterschieden.

(20.04.2008 / Quelle: © 2008 AFP)