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30.03.2008 - Befürchtete Proteste in Niederlanden nach Wilders-Film bleiben aus
Die Lage in den Niederlanden blieb am Wochenende weitgehend ruhig. In Utrecht gingen in der Nacht zum Samstag zwei Autos in Flammen auf. Die Polizei entdeckte in der Nähe des Tatorts ein Graffiti, das zum Mord an Wilders aufrief. Die Ermittler hätten aber noch keine ausreichenden Hinweise, ob der Vorfall in Verbindung zu dem Film stehe. Die Regierung in Den Haag hatte Ausschreitungen ähnlich wie nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeichnungen 2006 befürchtet. Niederländische Muslim-Verbände hatten am Freitag zur Zurückhaltung aufgerufen, nachdem das Video mit dem Titel "Fitna" (Zwietracht) am Donnerstag veröffentlicht worden war.
In Indonesien demonstrierten hunderte Schüler einer islamischen Religionsschule gegen den Film. In Magelang auf der Insel Java forderten sie ein Verbot der Websites, auf denen der Film gezeigt wird. Das afghanische Kulturministerium in Kabul teilte mit, der Film enthalte Inhalte, die den Propheten beleidigten. Es handele sich um eine "falsche Interpretation der Meinungsfreiheit, die zu Hass unter den Menschen in der Welt" führe. Singapur verurteilte den Film als "eine Beleidigung für die Muslime". Der frühere malaysische Ministerpräsident Mahathir Mohamad drohte mit einem Boykott niederländischer Produkte. "Wir sind sehr verärgert über diesen Film", sagte Mohamad.
Geschäftsleute in den Niederlanden kündigten an, Wilders zu verklagen, sollte es tatsächlich zu einem Boykott kommen. "Ich weiß nicht, ob Wilders reich oder gut versichert ist, aber im Fall eines Boykotts wollen wir versuchen, ihn dafür verantwortlich zu machen", sagte der Chef der niederländischen Arbeitgeberorganisation VNO-NCW, Bernard Wientjes, der Zeitung "Het Financieel Dagblad". Unternehmen wie Shell, Philips und Unilever seien leicht zu identifizierende niederländische Unternehmen.
"Das ist ein trauriger Tag für die Meinungsfreiheit, aber die Sicherheit unserer Mitarbeiter geht vor", erklärten die Betreiber des Internetportals liveleak am Freitagabend. Angesichts der sehr ernst zu nehmenden Drohungen gegen Mitarbeiter gebe es keine andere Wahl. Das in Großbritannien ansässige Videoportal hatte den Kurzfilm am Donnerstag erstmals gezeigt, nachdem ein US-Internetanbieter die eigentlich für die Veröffentlichung vorgesehene Seite gesperrt hatte.
Wilders kombiniert in seinem Film Bilder von Opfern terroristischer Anschläge in New York und Madrid mit Zeitungsschlagzeilen und Koranversen. Auch die umstrittene dänische Mohammed-Karikatur, die den Propheten mit einer Bombe als Turban zeigt, ist in dem Streifen zu sehen.
(30.03.2008 / Quelle: © 2008 AFP)



