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25.03.2008 - Musik ohne Grenzen könnte bald kommen
Die Kooperation "Comes with Music", die der finnische Handykonzern Nokia Ende 2007 mit Universal Music abgeschlossen hat, soll Handykäufern ein Jahr lang freien Zugang zur Musikbibliothek von Nokia ermöglichen. Der Vorteil: Die Kunden können sofort und jederzeit alle angebotenen Musikstücke hören, der Umweg über Interneteinkauf und Computer fällt weg. Das neue Angebot hat aber auch einen Nachteil: "Die Kunden interessieren sich für eine bestimmte Musik, nicht für ein Label", sagt Sven Hansen vom Computer-Magazin "c't".
Wenn die Lieblingsband nicht bei Universal unter Vertrag steht, bringt das Abo also nichts. Deshalb sei auch die Ankündigung des zweitgrößten Musikkonzerns Sony-BMG, in naher Zukunft ein Musikabo anzubieten, erst einmal mit Vorsicht zu betrachten, sagt Hansen. "Die entscheidende Frage dabei ist, was die anderen Labels machen", sagt Hansen.
Eine Download-Flatrate mit der Musik fast aller großen Konzerne bietet hingegen schon seit einigen Jahren das Internetportal Napster. Diese sogenannte "Miet-Musik" kann aber nicht auf CD gebrannt werden, sondern ist an den PC oder mobile Player gebunden. Der zweite Nachteil: Wenn das Abo ausläuft, können Nutzer auch die bislang heruntergeladene Musik nicht mehr hören, denn bei jedem Einloggen wird die Gültigkeit der Lizenz überprüft. Ist das Abo ausgelaufen, kann die Musik nicht mehr abgespielt werden. Ähnlich ist es bei sogenannten Streaming-Abonnements: Hier kann der Kunde die Musik nur live auf dem PC hören, so lange er online ist.
Wer seine Lieblingsmusik besitzen will, muss die Songs oder Alben einzeln bezahlen. In Apples Musikbibliothek iTunes etwa kostet ein Song 99 Cent, ein Album 9,99 Euro. Auch bei Weltbild oder AOL gibt es Online-Musik, hier liegen die Preise für Einzelsongs zwischen 99 Cent und 1,39 Euro, für Alben zwischen 9,99 und 15,99 Euro.
Die Nokia-Musikflatrate soll nun nach Angaben des Unternehmens dagegen "unbegrenzten Zugriff auf Millionen von Musiktiteln" ermöglichen. Auch nach dem Ende des Abos kann der Kunde alle während dieses Zeitraums heruntergeladenen Musiktitel weiternutzen, und das unabhängig vom Endgerät. Dieses neue Modell birgt großes Potential für die Musikindustrie, denn diese hängt immer mehr vom digitalen Markt ab. So wurden nach Angaben der Marktforscher von media control GfK wurden 2007 37,4 Millionen digitale Lieder und Musikvideos heruntergeladen, ein Plus von 33,6 Prozent. Die Zahl der verkauften CDs und Co. sank dagegen um 6,4 Prozent.
Analyst Nicolas von Stackelberg von der Privatbank Sal. Oppenheim glaubt daher, dass Flatratemodelle Zukunft haben. Für die Musikkonzerne werde das Geschäft damit planbarer, sagt er. Und wenn sowohl Apple als auch Sony-BMG fast zeitgleich über eine Flatrate nachdenken, "wird es in dieser Richtung weitergehen", sagt von Stackelberg. "Apple muss unheimlich aufpassen, sich nicht von Nokia überholen zu lassen". Der US-Konzern verhandelt Medienberichten zufolge mit den führenden Musiklabels über ein Abosystem. Wann die Flatrate kommt, scheint nur noch eine Frage der Zeit.
(25.03.2008 / Quelle: © 2008 AFP)



