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22.01.2008 - 15.000 Menschen protestieren gegen Schließung des Nokia-Werks

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Bochum (AFP) - Tausende Menschen haben am Dienstag in Bochum gegen die Schließung des dortigen Nokia-Werks protestiert. Bei der Kundgebung im Stadtteil Riemke kündigte IG-Metall-Chef Berthold Huber einen harten Kampf gegen Nokia an, sollte der finnische Handy-Hersteller an seinen Plänen festhalten. "Unerträglichen Stil" warf Hartmut Schauerte (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, dem Unternehmen vor. Unterdessen sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den von Entlassung bedrohten Nokia-Mitarbeitern die Unterstützung der Bundesregierung zu. Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo verteidigte die geplante Schließung.

Gewerkschaftschef Huber warf dem Konzern vor, das Werk aus Profitsucht schließen zu wollen. Er forderte das Management, dies noch einmal zu überdenken. "Wenn Sie noch einen Funken Anstand haben, dann nehmen Sie ihre Entscheidung zurück", sagte er vor etwa 15.000 Demonstranten. Schauerte kritisierte, die Nokia-Spitze habe die Entscheidung über die Köpfe der Mitarbeiter hinweg getroffen: "So geht man in Deutschland und in Europa nicht miteinander um, das sollten auch die Finnen verstehen." Von der Schließung sind 2700 Mitarbeiter betroffen, hinzu kommen vermutlich tausende Angestellte in Zulieferbetrieben.

Merkel sprach im NDR von einer "bitteren Entscheidung". Wenn der Handy-Hersteller seine Entscheidung zur Schließung des Werkes nicht revidiere, müsse alles daran gesetzt werden, den Betroffenen eine Perspektive zu geben. "Ich kann für die Bundesregierung sagen, wir werden das, was in unserer Macht steht, auch tun, um den Menschen so weit wie möglich zu helfen", betonte Merkel. EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla zeigte sich im "Tagesspiegel" (Mittwochsausgabe) zuversichtlich, dass die Europäische Union Umschulungen und Weiterbildungen der betroffenen Beschäftigten möglicherweise mit Geldern aus dem EU-Sozialfonds unterstützen könne.

Nokia-Chef Kallasvuo sagte dem "Handelsblatt", dass sich der Konzern die Entscheidung nicht leicht gemacht habe, "aber ich glaube, dass sie richtig ist". Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er: "Es fällt mir sehr schwer zu glauben, dass in den Gesprächen, die wir jetzt führen werden, neue Informationen auftauchen, die diese Entscheidung in Frage stellen." Nokia wolle nun mit den Betroffenen nach Lösungen suchen. Seiner Sprecherin zufolge will Kallasvuo kommende Woche nach Deutschland reisen.

Der Vorsitzende der Sozialdemokraten in Rumänien und frühere Außenminister Mircea Geoana warf deutschen Politikern vor, mit Blick auf die Verlagerung der Nokia-Produktion nach Rumänien einen "diskriminierenden" und "arroganten" Ton anzuschlagen. "Wir müssen für jeden gut bezahlen Arbeitsplatz kämpfen", sagte er bei einem Besuch in Cluj, wohin die Produktion verlagert werden soll. Geoana rief die Politiker seines Landes auf, sich für die Nokia-Fertigung in Rumänien starkzumachen.

(22.01.2008 / Quelle: © 2008 AFP)