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21.01.2008 - Betriebsrat und IG Metall zu Gesprächen mit Nokia in Helsinki
Das finnische Unternehmen will das Bochumer Werk mit 2300 Beschäftigten zur Jahresmitte schließen und die Produktion zum Teil nach Rumänien verlagern. Belegschaftsvertreter und IG Metall hatten nach der überraschenden Ankündigung in der vergangenen Woche auf ein Zusammentreffen mit der Konzernspitze in Finnland gedrängt. Die Einladung zu dem Treffen habe das Unternehmen "sehr kurzfristig" ausgesprochen, sagte eine IG-Metall-Sprecherin in Bochum. An dem Gespräch nahm nach Angaben der Nokia-Sprecherin auch Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo teil.
Kallasvuo telefonierte am Montag auch erstmals mit der nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU), wie die Staatskanzlei mitteilte. Er steht demnach für ein persönliches Gespräch mit ihr auch kurzfristig zur Verfügung, ein Termin werde noch vereinbart. Die Ministerin hatte dem finnischen Handy-Hersteller Tricksereien im Umgang mit den seit 1985 erhaltenen Millionen-Subventionen vorgeworfen.
Die Beschäftigten und Mitarbeiter aus anderen Bochumer Betrieben wollen am Dienstag gegen die Werksschließung auf die Straße gehen. Auch tausende Beschäftigte von Großunternehmen aus anderen Teilen Deutschlands wollen anreisen, darunter Mitarbeiter von VW aus Wolfsburg, Opel in Rüsselsheim und Ford in Köln. Reden sind unter anderem IG-Metall-Chef Bertold Huber und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) vorgesehen, ehemals Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
Finnlands Botschafter Rene Nyberg betonte, er habe "Verständnis für die Menschen" im Ruhrgebiet. Die Schließung des Nokia-Werks sei ein "schwerer Schlag für eine ganze Region". Dennoch sei die Debatte um das Ende der Handyproduktion in Bochum "übertrieben und ein bisschen hysterisch". Deutschland gehöre zu den Gewinnern der Globalisierung. Es gebe aber "keine Globalisierung ohne große Strukturveränderungen", fügte er hinzu.
Das geplante Aus in Bochum könnte sich der "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" zufolge zur teuersten Werksschließung der deutschen Wirtschaftsgeschichte entwickeln. Die Kosten beliefen sich auf mehrere hundert Millionen Euro, berichtete die Zeitung am Montag unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Insbesondere der Sozialplan werde teuer für den Konzern, da Nokia dafür selbst tief in die Tasche greifen müsse, weil das Werk nicht insolvent ist, sondern Gewinne macht.
(21.01.2008 / Quelle: © 2008 AFP)



