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16.10.2007 - Weltweite Online-Fahndung dürfte "das letzte Mittel" bleiben

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Würzburg (AFP) - Die weltweite Online-Fahndung mit einem Täterfoto wie im Fall des von Interpol gesuchten Pädophilen dürfte nach Einschätzung eines Experten auch künftig eher selten zum Einsatz kommen. "Es ist eine reine Frage der Zweckmäßigkeit", sagte der Würzburger Internetstrafrechts-Experte Eric Hilgendorf am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Bei den typischerweise im Internet verfolgten Straftaten sei es häufig zweckmäßiger, den Täter über die so genannte IP-Adresse seines Rechners dingfest zu machen. Zudem gebe es in vielen Fällen gar keine Fotos der Täter.

Hilgendorf zufolge sollte die globale Fotofahndung ohnehin "das letzte Mittel sein, wenn man über die IP-Adresse nicht weiterkommt". Die Ermittler hätten vor der Premiere dieser Methode offenbar selbst Bedenken gehabt, "so eine Art Menschenjagd loszutreten". In der Tat sei die Gefahr groß, "dass man den Falschen identifiziert und unter Umständen jagt", sagte Hilgendorf. So habe schon im Wilden Westen die falsche Identifizierung eines vermeintlichen Täters aufgrund eines Steckbriefs zur Lynchjustiz führen können. "Das kennt man aus Western-Filmen." In Zukunft könne die Online-Fotofahndung dennoch in Fällen erneut zum Einsatz kommen, in denen "andere Mittel nicht zur Verfügung stehen".

Bei vielen Internetdelikten sei es den Strafverfolgungsbehörden möglich, "die Täter an den Orten zu fassen, an denen sie auch tätig sind", etwa illegalen Tauschbörsen. Auch bei anderen typischen Straftaten wie der Verbreitung rechtsradikaler oder islamistischer Propaganda führe die IP-Adresse des Computers häufig zum Ziel, erläuterte der Strafrechtsexperte: "Typischerweise werden solche Straftaten von zuhause aus begangen, weil man sich dort anonym fühlt. Die Täter sind nicht so durchtrieben, wie man denkt, sondern durchaus unvorsichtig." Dass sie im Internet Spuren hinterließen und "die ganze Welt potenziell mitlesen kann", machten sie sich nicht bewusst.

Auch im Fall des nun von Interpol gesuchten 32-jährigen kanadischen Pädophilen habe die mangelnde Vorsicht des Täters zum Fahndungserfolg beigetragen. Dieser sei "außerordentlich leichtsinnig" gewesen, habe offenbar "nicht damit gerechnet, dass die Polizei auch nur einfache Tricks anwenden würde", sagte Hilgendorf mit Blick auf die digital verfremdeten Fotos, die den Mann beim Missbrauch von Kindern zeigen. "In Zukunft werden die Täter viel vorsichtiger vorgehen. Das spricht dagegen, dass das eine Fahndungsmethode der Zukunft ist."

Die aktuelle Fotofahndung belegt laut Hilgendorf auch den abnehmenden Schutz persönlicher Daten. "Wir müssen uns wohl daran gewöhnen, dass unsere Daten und Bilder in größerem Maße von anderen betrachtet werden können, als uns das bisher bewusst und recht war." Der Pädophilen-Fall zeige die Berechtigung dessen, "aber illustriert auch die Tendenz zum gläsernen Bürger".

(16.10.2007 / Quelle: © 2007 AFP)