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16.07.2007 - Harry Potters größter deutscher Fan

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München (AFP) - Was tun, wenn die Eltern offensichtliche Muggle sind? Statt der Zauberei dem Weltlichen anhängen und ordentliche Zeugnisse wichtiger als atemberaubende Abenteuer finden? Nun, Saskia Preißner wusste sich vor sieben Jahren mit einem gewagten Pakt zu helfen. Die damals 14-Jährige und ihre da noch zehn Jahre alte Schwester Sarah legten bei ihren Eltern den Schwur ab, künftig in jedem Jahr auf dem Zeugnis einen Notendurchschnitt mit einer 1 vor dem Komma nach Hause zu bringen. Im Gegenzug sollten sie ohne zeitliche Einschränkungen ihren Harry-Potter-Fanclub betreiben dürfen. Der Bund ging für beide Seiten auf: Die Preißner-Mädchen legten hervorragende Zeugnisse ab. Und ihren Harry-Potter-Fanklub bauten sie zum angeblich größten in ganz Europa aus.

Über 100.000 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern zählt der HPFC, dessen Leben vor allem im Internet unter der Adresse www.hpfc.de stattfindet. Dabei handelt es sich nicht um Karteileichen, die die Fan-Gemeinde künstlich groß aussehen lassen. "Bei uns ist das Besondere, dass die Leute, die mitmachen, einen Aufnahmetest machen", sagt Saskia Preißner. Nur wer den besteht wird einem der vier Häuser - die Zauberschule Hogwarts lässt grüßen - zugeteilt. Und nur wer nach seiner Aufnahme alle halbe Jahre an Tests teilnimmt, bleibt in der Gemeinschaft der Zauberschüler. Ansonsten verfällt das Passwort, und die virtuellen Zauberschüler müssen in die schnöde Welt der Muggle zurück.

Die in Berlin lebenden Schwestern erwischten mit dem HPFC die große Welle der Begeisterung der Deutschen für die Bücher von Joanne K. Rowling. Bei der Gründung im Jahr 2000 erschien gerade Band 4, "Harry Potter und der Feuerkelch". Und im Hause Preißner machte die jüngste der drei Schwestern, Sally, ihre ersten Schritte. "Wir haben sie als Baby so wie bei Harry Potter vor die Tür gelegt und gefilmt." Auch unter der Treppe versteckt fand sich Sally in Anlehnung an die Bücher eines Tages wieder. Der mittlerweile Achtjährigen hat das aber offensichtlich nicht geschadet, sie zählt sich inzwischen selbst zur HP-Fangemeinde.

Für die beiden großen Schwestern ist die Koordination des Fanklubs mittlerweile eine tägliche Aufgabe. Etwa zwei bis vier Stunden stecke sie jeden Tag rein, sagt Saskia Preißner. Falls sie das an einem Tag nicht schaffe, müsse sie die Zeit an einem anderen Tag nacharbeiten. Geld verdiene sie damit aber nicht, sogar auf den Kosten von 60 Euro monatlich für den Betrieb der Webseite bleibe sie sitzen. Weder der Carlsen-Verlag, wo die Harry-Potter-Bücher erscheinen, noch Warner Bros. als Inhaber der Filmrechte hätten irgendein Interesse an Zusammenarbeit mit den Fans gezeigt.

Die Studentin der Zahnmedizin muss damit ehrenamtlich einen Stab von mittlerweile 140 Mitarbeitern des Fanclubs koordinieren. Dabei handle es sich zum großen Teil um Erwachsene, etwa Lehrer und Referendare, die die 20 verschiedenen Schulfächer in der virtuellen Harry-Potter-Welt vorbereiten. Die Aufgaben sind komplex, zuletzt musste ein Haus eine Radio-Show machen, die als Podcast auch online gestellt wurde.

Die Stimmung zwischen den Hogwarts-Häusern ist laut Preißner so, wie es die Fans aus den Büchern und Filmen kennen: "Es gibt eigentlich immer Streit." Meistens richte der sich gegen die Lehrer oder sie persönlich, weil sich grundsätzlich die Häuser bei der Bewertung ihrer Aufgaben ungerecht beurteilt fühlten. Aber obwohl sie das eigentlich manchmal anstrengend findet, sucht Preißner mit der Geduld des weisen Schulleiters Dumbledore den Ausgleich.

Bei einer Frage droht indes auch die für ihre 21 Jahre erstaunlich abgeklärt wirkende Fanklub-Gründerin die Fassung zu verlieren. Rowlings Ankündigung, die Serie mit dem am Samstag auf Englisch erscheinenden siebten Band zu beenden, findet Preißner schlimm. "Es wäre traurig für uns zu sagen, jetzt ist Feierabend." Für diesen Fall wollen die Fans eine eigene Fortsetzung schreiben. Aber jetzt warte sie erstmal gespannt auf die Veröffentlichung von Band 7, den sie noch nachts auf der Party des HPFC in Händen halten wird. "Ich bin eigentlich immer so früh müde. Aber da bleibt mir nichts anderes übrig, den muss ich direkt lesen."

(16.07.2007 / Quelle: © 2007 AFP)