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24.10.2007 - IT-Fachtagung in Dresden: Geschäftserfolg mit Web 2.0?

Kirstin Walther, Geschäftsführerin und Bloggerin
Nach dem Grußwort von Christoph Zimmer-Conrad, Referatsleiter für Technologiepolitik und Technologieinfrastruktur im sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, musste zunächst einmal geklärt werden, was man unter Web 2.0 versteht. Der Begriff wurde von Tim O'Reilly geprägt und beschreibt ein verändertes Verständnis vom Internet: Der Nutzer erstellt oder bearbeitet Inhalte mittlerweile zunehmend selbst. Typische Beispiele hierfür sind Wikipedia, Weblogs sowie Bild- und Video-Sharing-Portale. Der User konsumiert nicht nur, sondern produziert selbst, er ist aktiv. Wie Patrick Breitenbach, Geschäftsführer des Würzburger Unternehmens Werbeblogger.de, in seinem Vortrag betonte, entsteht so eine Kommunikation auf Augenhöhe. Unternehmen sollten sich dieser Direktheit und Transparenz bewusst sein, so Breitenbach. Eine Abkehr sei nicht mehr möglich.
Eine solch direkte Kommunikation entsteht insbesondere in Internet-Communitys, beispielsweise in Blogs. Laut Breitenbach haben Unternehmensblogs den Vorteil, dass ein Dialog mit dem Kunden möglich ist, wobei das Unternehmen Feedback und neue Impulse erhält. Doch was passiert bei Kritik oder in Krisenzeiten? Der Marketingexperte rät, Kritik in jedem Fall aufzunehmen und positiv umzuwandeln.
Für ein Blog spricht noch ein anderer Aspekt: Interessensgruppen werden im Web besonders sichtbar, seien es Briefmarkensammler oder werdende Eltern. In Foren und Blogs tauschen sie sich aus, unter anderem auch über Produkte. In diesem Zusammenhang unterstrich Michael Kahr, Chief Operating Officer der T-Systems Multimedia Solutions GmbH, dass Unternehmen auf diese Weise Informationen direkt an die Zielgruppe heranbringen können. Außerdem werde der Wahrheitsgehalt einer Aussage bei einem anderen Internet-User höher bewertet als beispielsweise bei Presseberichten. Innerhalb einer Community herrsche demnach ein gewisses Vertrauen. Kahr empfahl außerdem, dass Unternehmen vom User lernen sollten,
Weitaus kritischer beurteilte Mario Oßwald, Referatsleiter beim Sächsischen Datenschutzbeauftragten die Problematik: Zum einen bemängelte er, dass zahlreiche Unternehmen den Usern zu viele, zum Teil unnötige Informationen abverlangen. Auch eine sichere Verschlüsselung besonders schützenswerter personenbezogener Daten sei häufig nicht gewährleistet. Im Hinblick auf Blogs bezweifelte Oßwald deren Authentizität: Einträge wie auch Blogger könnten von Unternehmen gezielt gekauft werden. Außerdem stellte er die Frage in den Raum, wie viel man im Internet von sich preisgeben sollte. Auch das eigene Profil ändere sich mit der Zeit, doch im Web sind dann unter Umständen noch Dinge zu lesen, die schon längst nicht mehr stimmen: "Man bedenke, dass das Internet das längste Gedächtnis darstellt."
Eine leidenschaftliche Bloggerin, sehr erfolgreich noch dazu, ist Kirstin Walther, Geschäftsführerin der Kelterei Walther in Arnsdorf bei Dresden. Seit Januar 2006 gibt es www.saftblog.de, in dem nicht nur über das Unternehmen informiert, sondern auch über politische und gesellschaftliche Themen diskutiert wird. Der Erfolg spricht für sich: Zum einen wurden die Medien auf das Familienunternehmen aufmerksam. Es erschienen Beiträge in den Zeitungen "Die Welt", "Die Zeit", im "Spiegel" und sogar im ZDF. Zum anderen konnte die Kelterei die Zahl ihrer Internetkunden erhöhen. Waren es im Jahr 2000 gerade mal 30, so sind es heute 3.000. Auch eine Abmahnung, die sie aufgrund eines Blogeintrags über die Olympischen Spiele erhielt, konnte Kirstin Walther nicht davon abhalten weiterzumachen, denn sie erhielt gerade in dieser Situation viel Zuspruch von der Community und der Presse. Jedem, der sich mit dem Gedanken trägt, einen Blog zu eröffnen, rät sie: "Man muss von Haus aus Lust haben, mit dem Kunden zu kommunizieren."
(24.10.2007 / Quelle: saxxess.com / Bild: saxxess.com)



