News-Archiv


01.08.2007 - Automatisierte Fräse stoppt vor dem Nerv: Leipziger Spezialisten operieren erfolgreich mit navigiertem Instrument

Vorherige Newsmeldung 
Die automatisierte Fräse im Computerbild

Die automatisierte Fräse im Computerbild
Das Operieren mit Hilfe von Robotern und Computern ist längst nicht mehr nur ein Thema für Science-Fiction-Geschichten. Nach der ersten Nasennebenhöhlenoperation mit einem automatisierten Saug- und Schneidinstrument konnte jetzt an der Hals-, Nasen-, Ohrenklinik am Universitätsklinikum Leipzig der weltweit erste Patient mit einer automatisierten Fräse operiert werden, so die Leipziger Mediziner. Damit setzte das Team des Innovation Center Computer Assisted Surgery (ICCAS) an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, des Lehrstuhls für Mikrotechnik und Medizingerätetechnik der TU München und des Herstellers medizinischer Geräte Karl Storz Tuttlingen einen weiteren Meilenstein auf dem Weg der computerassistierten Chirurgie.

"Das Prinzip der Automation kommt aus der Automobil- und Luftfahrtentwicklung: Ein zusätzlicher Sicherheitsmechanismus bewirkt, dass das Instrument automatisch abgeschaltet wird, wenn gefährdete Strukturen erreicht werden. Mit diesem Sicherheitsmechanismus wird jetzt die chirurgische Fräse ausgestattet, mit der der Ohrchirurg Knochen abträgt, um an sein eigentliches Operationsfeld zu kommen", sagt Professor Dr. Tim Lüth, Lehrstuhlinhaber für Mikro- und Medizingerätetechnik an der TU München. Voraussetzung ist eine detailgetreue Computertomographie (digitales Patientenmodell). Mit der Aufnahme werden vor der Operation der Umfang des Engriffs sowie die zu schonenden Strukturen bestimmt. Dies muss in komplizierte Datensätze umgesetzt werden. Mit den erhobenen Daten wird das chirurgische Instrument versehen, damit es entsprechend zielgerichtet wirken kann.

Wie der leitende Oberarzt der Leipziger Hals-, Nasen-, Ohrenklinik, Dr. Strauß, betont, sind chirurgische Eingriffe am Ohr kompliziert und erfordern eine genaue Kenntnis der Anatomie. Trotz bester Ausbildung könne es dabei zu Verletzungen des Gesichtsnervs oder des Hörorgans kommen. Das verhindert nun die Steuerung der Fräse. "Für unsere Patienten konnte wieder ein Stückchen mehr Sicherheit erreicht werden," freut sich Professor Dr. Andreas Dietz, Vorstandsmitglied des ICCAS und Direktor der Hals-, Nasen-, Ohrenklinik Leipzig.


Das Interdisziplinäre Zentrum für Computer- und Robotergestützte Chirurgie (ICCAS) an der Universität Leipzig verbindet in einer Kooperation die Arbeit von Herz-, Neuro- und Hals-, Nasen-, Ohren-Chirurgen mit Ingenieuren und Technikern an der Universität Leipzig. Ziel der Forscher ist es, computergestützte Operationen noch sicherer zu machen und neue Unterstützungssysteme für Chirurgen zu entwickeln.

(01.08.2007 / Quelle: saxxess.com / Universität Leipzig / Bild: Universität Leipzig)