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24.01.2005 - Sächsische Forscher entwickeln Katastrophen-Modell / Software-Partner gesucht

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Wissenschaftlern der Technischen Universität Dresden ist es weltweit erstmals gelungen, ein universales Modell zur Milderung und zum Management von Katastrophen zu entwickeln. Ausgehend von einem DFG-geförderten Projekt zur Analyse der Jahrhundertflut im Sommer 2002 in Sachsen und Sachsen-Anhalt analysierte ein Forscherteam um Prof. Dirk Helbing Gemeinsamkeiten von Naturunglücken, Terroranschlägen oder Epidemien und entwickelte daraus eine Computersimulation. Wie der an der Studie beteiligte Wissenschaftler Henrik Ammoser gegenüber saxxess.com erklärte, wurden grundlegende Erkenntnisse für den Katastrophenschutz erzielt. Für die sehr komplexen und datenintensiven Berechnungen suchen die Wissenschaftler noch Partner in der Wirtschaft, beispielsweise aus der Software-Branche. Ziel ist Ammoser zufolge ein marktfähiges Produkt.
Das Projekt untersucht, wie sich lokale Ereignisse durch Verkettung verschiedener Faktoren zu einer überregionalen Katastrophe mit teils globalen Folgen ausweiten können. Die Forscher entwickelten dazu ein Kausalnetzwerk so genannter antropogener Strukturen; d.h. sie untersuchten Wechselwirkungen der von Menschen geschaffenen Strukturen wie etwa Bebauung, Verkehrswege oder Kommunikationssysteme. Dieses Multifaktoren-Netzwerk wurde von den Wissenschaftlern in ein Computermodell überführt, das die Berechnung der Ausbreitungsdynamik von Katastrophen unter Berücksichtigung der bislang kaum überschaubaren Wirkzusammenhänge erlaubt. Es lässt Voraussagen zu, in welcher Abfolge bestimmte "Dominosteine" im Gesamtsystem bedroht sind. Diese computergestützte Methode eignet sich nicht nur zur Vorhersage der wahrscheinlichen Katastrophendynamik, sondern erlaubt auch die Bewertung von Bekämpfungsmaßnahmen und ihrer Nebenwirkungen.
Für die interdisziplinäre Studie wurden neben der Flut 2002 weitere extreme Ereignisse wie der Strom-Blackout in Nordamerika vor zwei Jahren, die Terroranschläge am 11. September 2001 und in Asien die SARS-Epidemie oder jüngst die Tsunami-Katastrophe untersucht. Zentrale Erkenntnisse sind, dass vielfach die tatsächliche Katastrophenwahrscheinlichkeit unterschätzt wird und deshalb adäquate Vorsorgemaßnahmen fehlen. Viele Systeme würden zudem an der Grenze der Belastbarkeit betrieben, so dass ungewöhnliche lokale Belastungen zu lawinenartigen Effekten führen. Als Beispiel wurde der Ausfall eines Stromkraftwerkes im Jahr 2003 in Nordamerika angeführt. Dieser lokale Vorfall löste ein Abschalten weiterer Kraftwerke aus, um Überlastungen zu verhindern. So hatten zeitweilig 50 Millionen Menschen in den USA und Kanada keinen Strom; Verkehr und Kommunikation brachen zusammen. Langfristig wurde sogar eine Wirtschaftskrise befürchtet.
Die 1828 als Technische Bildungsanstalt Dresden gegründete Hochschule hat heute über 33.000 Studenten an 14 Fakultäten. Ihren Status als Technische Hochschule erhielt die TU Dresden bereits 1890.
(24.01.2005 / Quelle: TU Dresden / Bild: TU Dresden)



