Technologien


Web 2.0 - Eine neue Version des Internets?

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Der Begriff Web 2.0 hat sich durchgesetzt und ist dabei weit mehr als lediglich Modebegriff oder Marketing-Schlagwort. Dabei beschreibt Web 2.0 keine Revolution - schon gar keine physikalische, anders als der Begriff vermuten lässt. Web 2.0 beschreibt auch keinen Status quo, sondern eine Entwicklung. Es ist das Synonym für die veränderte Darstellung und Wahrnehmung des Internets, speziell des World Wide Webs. Von Henning Croissant ...

Das dynamische Web

Statische Seiten, deren Inhalte sich selten oder nie änderten, bildeten den Grundstock des Internets. Das WWW in dieser Gestalt entspricht letztlich einer riesigen elektronischen Bibliothek. Das Web 2.0 hat in seiner Erscheinung mit dieser Bibliothek nur noch die Datenbasis gemein. Mit der Möglichkeit und der Praxis, Seiteninhalte dynamisch zu ändern und stetig zu aktualisieren, ändert sich der Eindruck und auch die Wahrnehmung des WWW erheblich.

User generated content

Ein weiteres, vielleicht noch viel wichtigeres Kriterium des Web 2.0 ist die Beteiligung der User an der Erstellung beziehungsweise Veränderung von Webinhalten. Web 2.0 beschreibt diese Evolution vom hauptsächlich konsumorientierten Surfen - das Web als "Read-Only-Medium" - hin zum user generated content. Man postet Fotos auf FlickR, Videos auf YouTube und publiziert in Online-Tagebüchern, sogenannten Blogs. Aus dem Web zum Anschauen ist ein Web zum Mitmachen geworden.

Social Software - die gemeinschaftliche Komponente von Web 2.0

Der Bildung vom Gemeinschaften - Communitys - wurde im Web schon immer besondere Bedeutung beigemessen. Mit Web 2.0 rückt der Mensch aber wieder weiter in den Mittelpunkt der Kommunikation. Die Mitgliedschaft in Networking-Plattformen wie myspace mit mittlerweile weit mehr als 100 Millionen Nutzern weltweit entwickelt sich zunehmend zum Standard aller Internet-User. Es sind nicht mehr nur Computer, die Lesestoff bieten, sondern Menschen die Inhalte anbieten und verändern. Der Begriff Social Software beschreibt die Vernetzung von Datenbeständen, Inhalten und Menschen gleichermaßen. Damit ist mehr gemeint als bloßer Online-Content. Weitreichende Interaktions- und Vernetzungsmöglichkeiten dienen vor allem der Schaffung einer gemeinschaftlichen Wissensbasis. Wikipedia, die Online-Enzyklpädie mit vollständiger redaktioneller Selbstorganisation, zeigt am deutlichsten, wie aus individuellem gemeinschaftliches Wissen wird. Ein weiteres Beispiel dafür, wie Communitys im Web 2.0 von den Aktivitäten ihrer Nutzer profitieren können, ist das sogenannte Tagging. Lesezeichen (Bookmarks), Fotos oder andere Inhalte werden von der Nutzergemeinschaft mit Schlagworten versehen. Mit dieser persönlichen Indexierung wird vor allem die Erschließung von großen Datenbeständen erleichtert. Die Schlagworte selbst werden dabei nicht vorgegeben, den Nutzern steht es frei, eigene Begriffe zu verwenden. Genau wie bei Wikipedia entsteht idealerweise ein selbstregulierendes System mit einer verständlichen Semantik. Von Usern für User!

"Easy to use"

Das Internet war schon immer auf Interaktivität und Partizipation ausgelegt, allerdings mit gewaltigen Zugangsbeschränkungen im Hinblick auf eigene Programmierkenntnisse und Zugänge zur passenden Infrastruktur. Die Verkleinerung dieser Barrieren durch Web 2.0-Techniken macht aus reinen Lesern und Surfern aktiv Beteiligte. Technische Einstiegsbarrieren existieren im Web 2.0 kaum noch. Im Web Bilder auszutauschen, ein eigenes Web-Tagebuch zu führen, Bilder, Podcasts oder Videos zu verbreiten, ist technisch kaum schwieriger, als einen handelsüblichen PC ordnungsgemäß ein- und auszuschalten. Der Umgang mit Online-Angeboten unter der Prämisse Web 2.0 muss vor allem eines sein: unkompliziert.

Technologie

Die Basistechnologien vom Web 2.0 sind geprägt vom Einsatz offener Standards und Programmierschnittstellen. Bahnbrechend neue Softwarelösungen, wie der Begriff Web 2.0 suggeriert, kommen dabei nicht zum Einsatz. Die beteiligten Technologien sind alte Bekannte, der Look&Feel aus der Kombination dieser Internet-Basistechnologien ist aber ein neuer, dessen Reiz Millionen von Nutzern weltweit erlegen sind. Eines der technologischen Zauberworte des Web 2.0 lautet AJAX, ein Akronym für "Asynchronous JavaScript and XML". Dabei ist AJAX keine neue Programmiersprache, sondern die Verknüpfung verschiedener Programmiertechniken. AJAX erlaubt eine neuartige Kommunikation zwischen Browsern und Servern: Der gezielte Austausch bestimmter (gewünschter) Daten, ohne die dargestellte Seite komplett neu laden zu müssen. Egal ob neue Informationen vom Server nachgeladen werden oder Reaktionen auf Benutzereingaben erfolgen, die Aktualisierung geschieht automatisch, dynamisch und bereichsspezifisch. Die Interaktionen zwischen Nutzer und Web werden direkter und wirken unmittelbar. Schematisch dargestellt bilden HTML und CSS die Grundlage für die Seitendarstellung unter AJAX, Javascript steuert Anfragen und Ladevorgänge, DOM dient dem Zugriff auf einzelne Objekte und XML regelt den Austausch der Inhalte. Ein weiterer Kernbaustein dessen, was Web 2.0 technologisch ausmacht, sind Atom- oder RSS-Feeds. Diese Feeds werden dazu verwendet, Elemente einer Website oder deren Kurzbeschreibungen darzustellen. Diese Inhalte werden dank RSS (oder Atom) automatisch auf den Computer des Abonnenten geladen und verweisen damit auf ständig aktualisierte Inhalte. Der Nutzen aus Feeds ist gewaltig: Der Verweis auf andere Seiten ist nicht mehr statischer Link, sondern Live-Abonnement. Die Integration von Feeds in den von Anfang an erfolgreichen Webbrowser Firefox sorgte für deren rasche Implementation als Marketing-Tool für Webseiten - bei Webmastern logischerweise äußerst beliebt, um die eigene Seite zu promoten.

Web 2.0 ein reines Privatvergnügen?

Dass Mehrwerte durch Web 2.0 nicht nur auf die Nutzerebene beschränkt bleiben, lässt sich auch an den Aktivitäten von Branchenriesen ablesen. So haben beispielsweise IBM und SAP im Januar 2007 zum Teil weitreichende Integrationen von Web 2.0-Technologien in Ihre Software-Lösungen angekündigt. Die besondere Bedeutung von Web 2.0 haben aber mittlerweile auch viele Unternehmen außerhalb der IT-Branche erkannt. Kein Wunder, inzwischen dürften weitaus mehr Produktbewertungen, Beschreibungen und Tests von Konsumenten publiziert worden sein als von den Unternehmen selbst. Beispielsweise gerieten Touristikunternehmen von Reisebewertungsportalen im Web in der Vergangenheit immer wieder unter Druck. TUI hat den Spieß unlängst umgedreht und bietet Reisenden auf der TUI-Homepage selbst die Möglichkeit, über Reisen zu berichten und diese zu bewerten. Für Unternehmen ist Web 2.0 vor allem aus einem Grund interessant: Ein fluktuierendes Web 2.0-Angebot bringt automatisch den Kontakt zu einer großen Community mit einem ebenso großen wirtschaftlichen Potenzial mit. Aber Web 2.0 steht und fällt mit der Nutzerzahl und der Nutzerbeteiligung. Diese letztlich nur schwer zu steuernde Komponente bleibt aus Sicht der Betreiber ein Risiko.

Web 2.0 - Die neue Version des Internets?

Neue Formen in der Darstellung und Wahrnehmung des Internets und kombinierte interaktive Techniken werden mit dem Begriff Web 2.0 zusammengefasst. Die Prinzipien und Ideen, die diesen Entwicklungen zugrunde liegen - ein von Nutzern generiertes und veränderbares Internet -, sind aber nicht die neuen Perspektiven eines etablierten Mediums, sondern vielmehr Taufgeschenk seiner Urväter. Tim Berners Lee, der nominelle "Erfinder" des Word Wide Web, ersann diese grafische Oberfläche eines weltweiten Computernetzwerks zum Austausch von Forschungsergebnissen, mit Lese- und Schreibrechten für alle Beteiligten. Das Web 2.0 ist somit nicht die vielfach beschworene Rückbesinnung auf die Grundideale des Internets, sondern nicht mehr und nicht weniger als ein weiterer Schritt zur Realisierung dieser Ziele.

( / Quelle: )

 

 


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