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21.07.2008 - Mit dem Kunden per Du - Keltereigeschichten auf dem Saftblog

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Die Kelterei Walther
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Kirstin Walther
Kirstin Walther
Screenshot des Saftblogs
Screenshot des Saftblogs
Einer aktuellen BITKOM-Studie zufolge wollen 60 Prozent der deutschen Unternehmen Blogs, Wikis und soziale Netzwerke ausbauen. Denn mehr als 80 Prozent der Unternehmen meinen, Web-2.0-Technologien werden weiter an Bedeutung gewinnen. Kirstin Walther hat diesen Trend bereits erkannt und umgesetzt. Die Geschäftsführerin der Kelterei Walther aus Arnsdorf bei Dresden betreibt seit 2006 den "Saftblog", der täglich von 500 Usern gelesen wird. "Bloggen eignet sich gerade in der Lebensmittelbranche hervorragend, um mit dem Kunden zu kommunizieren", erklärt sie.

Die Kelterei bietet gepresste Säfte aus überwiegend einheimischen Früchten ohne jegliche Zusatzstoffe an. Seit dem Start des Blogs erhält das Unternehmen Bestellungen aus ganz Deutschland sowie Österreich und der Schweiz. Täglich besuchen zudem über 1.500 User die Website und den Onlineshop der Kelterei. Einen Unternehmensblog einzurichten, war die beste Entscheidung, stellt Kirstin Walther fest.

Bereits 2004 legte das "Blog-Urgestein" Martin Roell der Kelterei nah, mit dem Bloggen zu beginnen. "Den Begriff hatten wir bis dato jedoch noch nie gehört", gibt Walther zu. Um das Prinzip des Bloggens zu veranschaulichen, veröffentlichte Roell gegen einen Kasten Saft einen Eintrag in seinem Blog, in dem er die Säfte der Kelterei testete. Schon die ersten vier Kommentare zu diesem Eintrag fand Kirstin Walther spannend. "Die User erkundigten sich, wo sie die Säfte kaufen können, schrieben über ihre Lieblingssorten oder teilten ihre Erfahrungen mit unserer Kelterei mit. Mund-zu-Mund-Propaganda vom Feinsten."

Trotzdem begann Kirstin Walther erst zu bloggen, nachdem sie den erfolgreichen Start des "Frosta-Blogs" verfolgt hatte. Erst danach habe sie begriffen, wie wirkungsvoll ein Unternehmensblog sein kann, sagt sie. So wurde im Januar 2006 der erste Eintrag auf dem Saftblog veröffentlicht. Seitdem bloggen Kirstin Walther und auch Mitarbeiter unter dem Motto "Trinkt mehr Obst". "Nach einer kurzen Lernphase von circa zwei Monaten überschlugen sich die Ereignisse", erinnert sich Walther. Überregionale Medien berichteten über die Kelterei, darunter das ZDF. Die Nachfrage wurde daraufhin so groß, dass sich die Geschäftsführerin im April 2006 dafür entschied, einen Onlineshop einzurichten. Auch dabei erwies sich der Blog als nützlich: Viele User gaben ihr Tipps und Verbesserungsvorschläge. Ein weiterer Vorteil: Der Shop musste nie beworben werden. Die Kunden kauften, unmittelbar nachdem der Shop ins Netz gestellt wurde, online ein.

Täglich veröffentlicht Kirstin Walther ein bis zwei Einträge auf dem Saftblog. Themen sind dabei alltägliche Geschichten aus der Kelterei, Diskussionen und Informationen über Säfte oder andere aktuelle Geschehnisse. "Im Grunde blogge ich über alles, was mich beschäftigt", erklärt Walther und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: "Anfangs bekam mein damaliger Berater regelmäßig einen Schock, wenn er meine Blogeinträge las." Denn die Keltereichefin berichtet nicht nur über die Fortschritte, sondern auch über die Pannen in ihrer Kelterei. So zum Beispiel auch, als sich einige Kunden darüber beschwerten, dass mit der Post verschickte Saftkartons geplatzt waren. Walther ließ die Verpackung prüfen und fand heraus, dass die 3-Liter-Saftkartons, welche die gefüllten Saftbeutel beinhalten, zu groß waren und so beim Transport beschädigt wurden. Sie stellte daraufhin ein Bild von einer beschädigten Lieferung ins Netz, erklärte den Grund für das Malheur und berichtete, dass bereits an neuen Verpackungen gearbeitet würde. Die Reaktion der Leser war daraufhin durchgehend positiv. "Es ist für mich immer wieder faszinierend, dass solche Blogthemen aus PR-Sicht katastrophal sind, in der Praxis aber funktionieren. Deshalb bin ich der Überzeugung, dass es das Wichtigste ist, mit seinem Kunden zu kommunizieren."

Somit sieht Kirstin Walther die tägliche halbe Stunde, die sie in den Blog investiert, als "Zeit für den Kunden" an. "Aber dieser Aufwand lohnt sich ja auch", findet sie. Neben den zahlreichen Bestellungen haben sich für das Unternehmen auch interessante Kontakte und Möglichkeiten aufgetan. So ist die Kelterei seit Mai 2008 Partner in dem von dem Unternehmen "Frosta" initiierten Zusatzstoffmuseum, das über Zusätze in Lebensmitteln aufklärt. Eine Tatsache, auf die Kirstin Walther nach wie vor sehr stolz ist. "Ich weiß nicht, ob jemand eine Vorstellung hat, wie es sich anfühlt, wenn man als klitzekleine "Wald-und-Wiesen-Kelterei", wie ich uns manchmal scherzhaft nenne, plötzlich einen so tollen Kontakt mit der riesigen Firma Frosta hat."

Trotz der positiven Seiten kennt Walther jedoch auch die Risiken, die ein Blog mit sich bringt. Denn nachdem sie im Februar 2006 einen Blogeintrag über die Olympischen Spiele mit einem Bild der olympischen Ringe veröffentlicht hatte, erhielt Walther im Dezember des Jahres eine Abmahnung des Deutschen Olympischen Sportbundes mit einem Gegenstandswert von 150.000 Euro. "Sowohl der Begriff 'Olympia' als auch das Bild der olympischen Ringe wird vom Olympiaschutzgesetz geschützt. Leider wusste ich das nicht. Ich war völlig entmutigt, zumal ich nicht wusste, wie ich diese Summe bezahlen sollte", erinnert sich die heute 37-Jährige. Zunächst wollte sie ihren Blog schließen.

Sie schrieb zu den Geschehnissen einen Eintrag, der bis heute über 14.000 Mal gelesen und von vielen Bloggern verlinkt wurde. Der Zuspruch und das Engagement der vielen Leser ermutigte Kirstin Walther schließlich weiterzumachen. Sie hatte Glück: Wohl auch weil der Fall von so vielen Menschen und den Medien beobachtet wurde, gab der Olympische Sportbund klein bei. Die Kelterei musste lediglich eine Strafe von 250 Euro zahlen und einen Text des Sportbundes online stellen, der kurz darauf wieder gelöscht wurde. Zum Dank für die Hilfe stellte die Kelterei eine eigens für ihre Unterstützer entwickelte Website online. "Ich bin bis heute überrascht und dankbar, wie schnell der Fall eine eigene Dynamik annahm. Jedoch weiß ich seither, wie kompliziert unsere Rechtssprechung ist. Ich kann allen Bloggern nur den Tipp geben, sehr genau auf die Urheberrechte, zum Beispiel von Fotos, zu achten."

Trotzdem würde sie jedem Unternehmen empfehlen, mit dem Bloggen anzufangen: "Ein Blog bringt viele Vorteile mit sich. Mal abgesehen von den vielen Feedbacks und einem nahen Kontakt zum Kunden stärkt ein Blog auch den Bekanntheitsgrad. Außerdem ist ein Unternehmen dadurch viel leichter bei Suchmaschinen wie Google zu finden." Wichtig sei es aber aus ihrer Sicht, den Blog für den Kunden möglichst einfach zu gestalten. Dazu gehöre auch, dass sich der Leser ohne Anmeldung am Geschehen beteiligen könne. Außerdem soll das Bloggen auch ein wenig Freude machen, fügt sie hinzu. "Auch wenn ein Weblog den persönlichen Kontakt nicht ersetzen kann, ist es der einfachste und direkteste Weg, sich miteinander auszutauschen. Und das macht uns wirklich Spaß."

(21.07.2008 / Quelle: saxxess.com / Bilder: Kelterei Walther GmbH & Co. KG)

Kelterei Walther GmbH & Co. KG  www.walthers.de
Gegründet: 1927
Mitarbeiter: 13
Geschäftsfeld: Saftherstellung und -verkauf
Bei Walther's werden ausschließlich reife und überwiegend einheimische Früchte gepresst und abgefüllt. Ohne den sonst üblichen Einsatz von Enzymen, der die Saftausbeute stark steigert.

 

Kelterei Walther GmbH & Co. KG

Gewerbegebiet 2
01477 Arnsdorf
Telefon: 035200 2930-0
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